Corona Blog – 03-07-2020

Agroforest (Obstwald)

Sristi Village - Ein Ort wo Menschen im Einklang mit der Natur arbeiten und leben

Ein Blick in den eigenen Traum eines zukünftigen kanthari Teilnehmers

(Von Biman Roy)

“Ich wurde für den kanthari-Kurs 2020 ausgewählt. Obwohl unser Programm, COVID-19 bedingt, noch nicht begonnen hat, bekommen wir mit Hilfe unserer Katalysatoren – so werden im kanthari Institut die Trainer genannt – bereits einen Einblick in die Aufgaben, die wir während des kanthari Lehrganges zu bewältigen lernen. Da geht es besonders ums Fundraising und damit auch schon um eine klare Vorstellung über das eigene Vorhaben.

Während ich an diesen Aufgaben arbeite, nehme ich Kontakt mit einigen kantharis früherer Generationen auf, um einen tieferen Einblick zu bekommen. Karthik, der Gründer von Sristi Village, war einer von ihnen. In diesem Blog Post werde ich Karthiks Projekt vorstellen und ich werde beschreiben, was ich aus einem einzigen Gespräch von ihm gelernt habe.

Bei meiner Vision, die ich in kanthari weiter entwickeln werde, geht es um eine gestärkte Dorf-Gemeinschaft im südlichen Westbengalen, im Nord-Osten Indiens. Es geht mir um eine Gemeinschaft, die auf die Natur und ihre biologische Vielfalt achtet, engagiert biologischen Landbau betreibt und mit der Landwirtschaft als Basis sich nachhaltig selbst versorgen kann.

Bei dieser Vision spielt die Agroforstwirtschaft eine zentrale Rolle. Da das Sristi Village ein Agroforstmodell betreibt, habe ich Karthik angerufen, um mehr darüber zu erfahren. Sristi Village ist eine Art Kommune, in der seit sieben Jahren Menschen mit geistigen Behinderungen und Menschen ohne Behinderungen gemeinsam leben und arbeiten. Das Projekt steht offen für jeden der teilhaben möchte.

Karthiks eigene Geschichte begann damit, dass er in einem integrativen Waisenhaus aufwuchs, in dem sowohl behinderte als auch nicht behinderte Kinder untergebracht waren. Aus Kindern wurden Erwachsene, doch für diejenigen mit geistiger Behinderung gab es keine weitere Entwicklungsmöglichkeit. Nachdem er für einige Monate als kanthari-Katalysator gearbeitet hatte, war seine Idee ausgereift, und es wurde Zeit, loszulegen. (Das Wort “Sristi” bedeutet “Schöpfung”).

Karthik wusste, mit welchen Vorurteilen man Menschen mit geistiger Behinderung auf dem Arbeitsmarkt begegnet. Daher beschloss er die biologische Landwirtschaft für seine Zielgruppe zu erschliessen. Das lag auf der Hand, denn beim Gartenbau und im natürlichen Umgang mit der Landwirtschaft, muss man seinen Arbeitsprozess automatisch verlangsamen, um sich mit der Natur zu verbinden.

Die Aufbereitung eines kargen Stück Landes zu einem Agroforst, gab den verzweifelten Bewohnern des Sristi Village einen Sinn. Die Arbeit in mitten der Natur, schien den Zorn und die Hyperaktivität der ehemals sozial ausgegrenzten zu mildern.

Im Laufe der Jahre hat sich auch die Einstellung der Menschen ohne Behinderung geändert. Früher wurden Schlangen getötet, um die Behinderten im Sristi Village zu schützen. Aber dann entschieden sie sich, friedlich mit allen Lebewesen zusammenzuleben, und das schloss auch die Schlangen ein, denn im ökologischen Gleichgewicht ist Eines mit dem Anderen verbunden.

Während Karthiks Interesse an der biologischen Vielfalt erst mit dem Aufbau des Projektes wuchs, ist dieses Thema, der Biodiversität genau der Impuls, der meinen Traum antreibt. Dabei träume ich jedoch auch davon, durch die Nähe zur Natur auch die Menschen wieder näher zueinander zu bringen. Ich hoffe, dass meine Dörfler den gleichen Lebenssinn haben, wie die Einwohner des Sristi Village.

Aus Studien-Gründen bin ich gerade weit weg von meinem Dorf. Die Erstellung eines konkreten Plans mit Agroforst steht also noch aus. Allerdings, konte ich mir während meines Gesprächs mit Karthik über einiges hinsichtlich der Erschaffung eines Agroforsts bewusst werden.

Um meine Idee zu verwirklichen und in die Realität umzusetzen, ist es sehr wichtig, sehr klare Ziele zu haben. Es ist wichtig, andere Projekte zu besuchen und sich von ihnen inspirieren zu lassen. Ich muss jedoch sicherstellen, dass andere Ideen meinen ursprünglichen Plan nicht einfach verdrängen. Auch muss ich mir im Klaren sein, dass mein Projekt und meine Umstände einzigartig sind. Ich kann also nicht einfach etwas kopieren, denn die Umsetzung der Idee eines anderen wird niemals funktionieren. (Nicht, dass ich das geplant hätte, aber es war gut, dass Karthik mich daran erinnert hat.)

Von Karthik erfuhr ich auch, dass das Fundraising kein größeres Problem darstellen sollte, wenn jemand eine sehr genaue Vision hat. Aber er machte auch die folgende Bemerkung: Nur eine Vision zu haben, reicht nicht aus. Man muss hart arbeiten, um seine Ziele zu erreichen. Er hat viele Menschen mit klaren Visionen gesehen, die aufgrund mangelnden Engagements versagt haben. Im Gegensatz dazu, kann eine Person mit einer nicht so klaren Vision, aber grossem Engagement und mit harter Arbeit sehr viel erreichen.

Wir sprachen fast eine ganze Stunde und das Gespräch gab mir Anlass über viele neue Aspekte und Ideen nachzudenken.”

 

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