Journalismus, eine wackelnde Stuetze der Demokratie?

kanthari Blog – 15-01-2021

Journalismus – eine wackelnde Stütze der Demokratie?

von Chacko Jacob

Es ist nicht ganz einfach, ein Gesamtbild des heutigen Journalismus zu zeichnen, dafür gibt es zu viele unterschiedliche Typen. Da gibt es diejenigen, meist fest angestellt, die einen regelmäßigen Zeitplan haben und tagtäglich etwas abliefern müssen. Und da gibt es solche, die für ihren Beruf leben, sich manchmal sogar in Gefahren begeben und dann gibt es viele irgendwo dazwischen. Aber in diesem Blog sprechen wir über diejenigen, die sich nicht scheuen, unbequeme Wahrheiten und sorgsam recherchierte Fakten unter die Leute zu bringen.

Sehen wir uns mal die Stellung des Journalismus, also der Publikative, innerhalb der vier Säulen der Demokratie an: Da fällt auf, dass in den meisten Ländern die Macht auf den ersten drei Säulen, der Legislativen, Exekutiven und der Judikativen aufgeteilt ist. Wie steht es in anderen Ländern? Hat der Gesetzgeber zu viel Macht über eine Pandemie? Ist es die militärische Elite, die die Zügel zieht? Werden die Wahlen durch das organisierte Verbrechen beeinflusst? Beugt sich die Justiz dem Willen des Gesetzgebers? Die Symptome einer erkrankten Demokratie sind vielfältig.

Die Medien tragen die einzigartige Verantwortung, den anderen Säulen der Demokratie auf den Zahn zu fühlen. Bei all dieser schwerwiegenden Verantwortung gibt es Medien, die sich durch Propaganda nähren und falsche Informationen oder “alternative Fakten” profitabel verbreiten.

Die wohl wichtigste Verantwortung des Journalismus scheint zu sein, Demokratie durch gut informierte Bürger zu stärken. Das Problem ist, dass Lügen und Täuschung ein fester Bestandteil der Arbeitsweise vieler Regierungen ist.

Daher müssen wir uns auf Journalisten verlassen können, die bereit sind, Risiken einzugehen und sogar manchmal ihr Leben in Gefahr bringen, um tiefer in die Materie einzudringen.

Apropos Gefahr: Allein im Jahr 2020 wurden in Mexiko neun Journalisten getötet. In den letzten 10 Jahren fielen 55 Journalisten in Indien Mördern zum Opfer. China, Eritrea, Haiti, das Westjordanland und Russland gehören zu den gefährlichsten Orten, um diesen Beruf auszuüben.

Überall da, wo es Korruption, Menschenrechtsverletzungen und andere Missstände aufzudecken gilt, wird der Journalismus zum gefährlichen Beruf.

Seit 1980 hat sich die Art der Medien und der Beruf des Journalisten massiv geändert. Plötzlich gab es 24/7 News im Fernsehen! Es ging darum, Menschen Süchtig nach Fernsehen und News zu machen.

Angefixt wurden die Zuschauer mit einem der umstrittensten Fälle der modernen Rechtsgeschichte. Der OJ Simpson Mordprozess. CNN bot 24 Stunden und sieben Tage in der Woche live Updates vom Prozessgeschehen. Damals war das reines Entertainment, heute zeigt sich CNN ein wenig progressiver.

Und dann kamen die sozialen Medien auf den Plan. Dabei geht es darum, die Nutzer mit regelmäßigen Dopamin-Kicks bei der Stange zu halten. Das geht gut, denn die Medien kommen heute durch sehr persönlichen Geräte wie Tablets und Smartphones direkt zum Nutzer. Soziale Medien sind darum heutzutage meistens die erste Quelle der Information, sei es Politik, Unterhaltung, Bildung oder irgendetwas anderes. Alles ist auf Knopfdruck zugänglich. Diese direkte und sehr persönliche Konsumierung von öffentlichen Neuigkeiten hat die Medienwelt vollkommen auf den Kopf gestellt. Damit hat der Journalismus als Berufstand eigentlich die Rolle ein Stütze der Demokratie, oder wie Edward Snowden erklärte, “der Wächter der Demokratie” zu sein, verloren.

Was ist also von der vierten Säule der Demokratie übrig geblieben? Es geht im weitesten Sinne um polarisierte Propaganda-Maschinen, die um Aufmerksamkeit wetteifern. Sie sind unterhaltend oder voreingenommen, sie bestätigen die eigene Meinung oder werden erst gar nicht wahrgenommen.

Der End-Empfänger muss aber unterscheiden, auf welche Informationen man sich verlassen kann.

Die Journalisten, die in der Regel der größten Gefahr ausgesetzt sind, sind die lokalen Reporter. Sie arbeiten für lokale Zeitungen, Magazine oder Online Plattformen und decken Korruption auf.

Leider haben sie weder tot noch lebendig kaum eine Stimme, denn sie werden durch TV und soziale  Medien übertönt. Wir alle haben die Pflicht, Journalisten in ihrer Verantwortung, Ungerechtigkeit aufzudecken, zu unterstützen. Aber wie können wir uns von der Einflussname der Massenmedien emanzipieren?

Hier ein paar Vorschläge, um unabhängiger informiert zu sein:

Lösen wir uns von den Kurznachrichten-Diensten. Das Leben ist ziemlich kompliziert und die Welt um so mehr. Daher dauert es durchaus mehr als eine Minute, Fakten und Tatsachen zu sammeln und entsprechend zu verarbeiten.

Lasst uns Seiten Verlassen, auf denen Hass propagiert wird. Wir sollten uns nicht damit zufrieden geben, etwas einfach nicht zu mögen. Das ist nur oberflächlich. Es ist kein Problem, nicht einverstanden zu sein. Es ist aber wichtig, die eigenen Argumente zu prüfen. Manchmal ist es notwendig sich von bestimmte Medien zu verabschieden, weil man schnell genug in einen nicht mehr endenden Strudel gelangt der am Ende eine getreue Weltanschauung verdreht und zur einer weiteren Spaltung der Gesellschafft führt.

Indem wir sicherstellen, dass wir verlässlichen Quellen nachgehen, wird die Arbeit von wahrheitsgetreuen Journalisten mehr ins Rampenlicht gestellt. Das gibt diesen Journalisten mehr Sicherheit, da einen hohen Bekanntheitsgrad auch für einen gewissen Schutz sorgt.

Journalismus muss ein geschütztes Recht sein, denn eine bröckelnde vierte Säule schadet jeder Demokratie.

 

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *