Kunst statt Droge

Kunst statt Droge

von Angwere Claude Azah (1982)

Am 28. März 2015 war ich in der Stadt Bamenda in der nordwestlichen Region Kameruns im Rehabilitationszentrum Mankon-Ringway. Ich war dort, um an meinen regelmäßigen Beratungsgesprächen über Drogenkonsum und -missbrauch teilzunehmen. Auf dem Weg nach draußen, sah ich einen jungen Mann auf einer Bank im Flur liegen. Er zitterte stark und aus seinem Mund kam weißer Schaum. Mir war sofort klar, dass dieser Junge unter dem Einfluss von übermäßigem Konsum irgendeiner Droge stand. Höchstwahrscheinlich Kokain oder Tramadol. Das sind die Drogen, die von Jugendlichen in meiner Gemeinde am häufigsten konsumiert werden.

Er war etwa 14 Jahre alt. Er hatte eine verwaschene Dreadlock-Frisur und war an beiden Beinen und Händen gefesselt. Er trug eine schmutzige Jeans, ein T-Shirt und hatte keine Schuhe an den Füßen. Neben ihm stand ein vertrautes Gesicht, eine Frau von etwa 35 Jahren. Ihr liefen Tränen über die Wangen und sie murmelte etwas wie “Gott, womit habe ich das verdient”. Als ich mich näherte, erkannte ich, dass der Junge ein entfernter Verwandter von mir war. Wie ich von seiner Mutter erfuhr, hatte John, mein Neffe, eine Drogen Überdosis und hatte in derselben Woche dreimal einen Krampfanfall erlitten. Sie hatte keine andere Möglichkeit, als ihren Sohn in das Rehabilitationszentrum zu bringen.

Ich erinnerte mich an meine eigenen ersten Erfahrungen mit Drogenmissbrauch. An die gesundheitlichen Risiken, die ich einging. An die finanzielle Belastung, die ich meiner Familie durch die Behandlung aufbürdete. An die sozio-psychologischen negativen Auswirkungen auf meine Familie und an die Stigmatisierung, mit der ich in meiner Gemeinde konfrontiert war.

In den folgenden Beratungsgesprächen wurde John nie ausgelassen. Nach dem Tod seines Vaters, der der Ernährer der Familie war, war seine Mutter plötzlich eine arbeitslose Witwe, die sich um John und seine drei Geschwister kümmern musste. Armut und Gruppenzwang trieben John dann zum Drogenkonsum.

Leider ist Johns Geschichte nur eine von vielen. Zahlreiche Aspekte wie die Folgen des kamerunischen Bürgerkriegs, lokale Konflikte, Armut, Binnenvertreibung, schlechte wirtschaftliche Möglichkeiten und andere haben viele Kinder und Jugendliche im Alter ab circa 12 Jahren in den Drogenkonsum “getrieben”.

Im Jahr 2016 habe ich eine Initiative namens CADA (Collective Art Development Association) ins Leben gerufen, die Kunst als Mittel einsetzt, um John und anderen Jugendlichen Unterstützung zu bieten. In Zusammenarbeit mit Experten für psychische Gesundheit wird auch psychosoziale Hilfe geleistet.

Zurzeit nehme ich am kanthari Lehrgang teil, um Werkzeuge und Fähigkeiten zu erwerben, die mir helfen, meine Organisation weiterzuentwickeln, damit ich Schulungen in verschiedenen Bereichen anbieten kann, einschließlich Unternehmensentwicklung und Unternehmertum.

 

Claude Angwere Azah (1982) – Kamerun

Bekämpfung von Kriminalität und Drogenmissbrauch durch Kunst

Das Aufwachsen in Kamerun inmitten eines Bürgerkriegs bringt viele Herausforderungen mit sich. Claude hat viele davon am eigenen Leib erfahren und befand sich in einer Situation, in der die Zukunft hoffnungslos aussah und er sich nicht in der Lage sah, einen sinnvollen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Mit Hilfe seiner Mutter und nachdem er die Welt der Kunst entdeckt hatte, bezog Claude jedoch Stellung. Er erkannte, dass die Jugend einen Ausweg braucht, und so ist es sein Traumprojekt, mit Jugendlichen in seiner Kunstschule zu arbeiten, um ihnen zu ermöglichen, sich von Drogenmissbrauch und Kriminalität zu befreien.

Leave a Reply

Your email address will not be published.