Propolis, das Immunsystem stärken

Propolis, das Immunsystem stärken

Summary

Überall auf der Welt werden Frauen Opfer von sexueller Gewalt. Untersuchungen zeigen: je früher die Kinder mit Sexual-Kunde in Berührung kommen, in den Niederlanden beispielsweise beginnt die Sexual-Erziehung bereits im Kindergarten, desto weniger Schaden in Form von körperlicher, geistiger und emotionaler Gewalt wird den Frauen von Männern zugefügt. In den konservativsten Ländern, die sich der Sexual-Kunde in der Schule entgegenstellen, kommt es dagegen sehr viel häufiger zu sexueller Gewalt.

Charlottes Leben ist von einem Familientrauma beeinflusst. Ihre Großmutter wurde von einem Fremden in einem Zug brutal missbraucht. Über dieses Trauma wurde während ihrer Kindheit nur wenig gesprochen.
Mit ihrer Organisation "Propolis" steht sie für eine Welt, in der Jugendliche, mit geeigneten Kommunikationsmitteln ausgestattet, ungefiltert Fragen stellen und über unaussprechliches frei reden können. Jugendliche sollen lernen, zu ihrem eigenen Körper zu stehen, und sie sollen ihre Pubertät verstehen, ohne sich schämen zu müssen. Sie möchte ihre Workshop-Teilnehmer dazu befähigen, frei über ihre Gefühle zu sprechen und respektvoll miteinander umzugehen.

Von Charlotte Cotton

Ich bin in dem Glauben aufgewachsen, dass alle Männer gefährlich sind.
Seit meiner frühen Kindheit wusste ich, dass ich in der Nähe von Männern vorsichtig sein musste.
Das habe ich auf die harte Tour gelernt, und zwar aufgrund eines Familientraumas, das sich bereits ereignet hatte, bevor ich überhaupt geboren wurde.
Als meine Großmutter 38 Jahre alt war, wurde sie brutal körperlich misshandelt.

Der versuchte Frauenmord ereignete sich in der Nacht zum Muttertag, als meine Mutter und meine Großmutter einen heftigen Streit hatten (was sehr häufig vorkam) und meine Großmutter spät in der Nacht das Haus verließ, um in letzter Minute einen Zug zu nehmen. Sie wollte ihre eigene Mutter in einer anderen Stadt besuchen.
Im Zug, ein paar Stationen vor der Ankunft, ging sie auf die Toilette, und ein Mann schlich sich hinter sie und misshandelte sie aufs Brutalste. Nach der Tat ließ er sie einfach stehen und macthe sich davon, ohne ihr Geld, ihre Handtasche oder ihren Schmuck zu stehlen. Es war ein reiner Akt des Hasses.
Wir haben nie herausgefunden, wer er war und warum er es getan hat.

Durch den Unfall wurde das Gesicht meiner Großmutter völlig zerstört (sie war wegen der vielen blauen Flecken nicht wiederzuerkennen), und sie verbrachte Wochen im Krankenhaus, um sich zu erholen.

Noch heute spricht meine Familie nur sehr selten über die Tat, und man nennt ihn nur “Großmutter’s Unfall”.
Dadurch lernte ich, misstrauisch zu sein und besonders Männern zu misstrauen. Als sich meine Eltern scheiden ließen, hatte meine Mutter einen neuen, sehr schwierigen Partner, und das bestärkte mich in meiner Vorstellung, dass Männer einen negativen Einfluss auf das Leben von Frauen haben.
Viele Jahre später lebte ich als Expatriate in Hongkong, eingebunden in ein rastloses Businessleben. Dann ab 2014 gab es Unruhen, die sich gegen eine sehr rigide Regierung in Peking wandten. 2019 nahmen die Unruhen eine ernste Wendung.
Ich wollte mein Leben ändern, ich war dort nicht glücklich.

So beschloss ich, mich auf eine Zugreise durch Indien mit dem “Jagriti Yatra” zu begeben. Es handelt sich dabei um einen Zug für Jugendliche, die sich über ihre Entscheidung im Leben klar werden wollen.

Zwei Wochen reisen 500 junge Menschen gemeinsam durch Indien und besuchen verschiedene soziale Projekte.
Auf dieser Reise lernte ich die Aktivistin Laad Lohar kennen, die zur Mitbegründerin eines von uns ins Leben gerufenen Sozialprojekts namens “Mewar Collective” wurde. Mewar Collective ist eine Frauenbewegung, die waschbare und biologisch abbaubare Damenbinden herstellt und vertreibt.
Sowohl für Laad als auch für mich war es wichtig, einen sicheren Raum zu schaffen, in dem Frauen anderen Frauen dienen und helfen. Es fühlte sich sicher und richtig an. Zu unseren Workshops luden wir Männer und Frauen ein, aber nur wenige Männer nahmen daran teil, da die meisten dachten, das Thema Menstruation gehe sie nichts an.
Nach der Rückkehr von dieser Reise fand ich einen Job als Fundraiser für eine lokale NRO in Hongkong.

Eine der Aufgaben war die Entwicklung und Durchführung von Programmen zur umfassenden Sexualerziehung in verschiedenen Schulen der Stadt. Es ging darum, den Jugendlichen beizubringen, wie sie kommunizieren und sich verhalten sollten, um ungewollte Schwangerschaften und häusliche Gewalt vorzubeugen. (Fast zwei von fünf Frauen in Hongkong haben sexuelle Gewalt erlebt).

Zusätzlich zu meiner Rolle als Spendensammlerin begann ich, ehrenamtlich bei der Durchführung des Programms in einer Schule für ethnische Minderheiten mitzuwirken. Im Gespräch mit Kindern aus Pakistan, Indonesien und Nepal wurde mir klar, wie neugierig und offen die Kinder gegenüber dem Thema Sexualität und Beziehungen sind.
Diese Erfahrung half mir zu erkennen, wie wichtig Kommunikation ist und dass Kinder, vor allem Jungen, ihren eigenen Körper so früh wie möglich entdecken müssen, um sich selbst und andere zu respektieren.
Heute weiß ich, warum Männer gefährlich sein können. Besonders wenn sie keine Verbindung zu ihren Emotionen und Gefühlen haben und nicht wissen, wie sie sich mitteilen können.
Ich habe jetzt keine Angst mehr vor Männern und bin zuversichtlich, dass sich von innen heraus ein echter Wandel vollziehen wird, der zu weniger Gewalt und mehr gesunden zwischenmenschlichen Beziehungen führen kann.

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