Umwelt und Frieden - Verbindungen Knuepfen - Nduku Louis Tebi - Kamerun

Umwelt und Frieden – Verbindungen knüpfen

Summary

Es ist leicht, junge, arme Menschen in Konfliktsituationen zu radikalisieren, sie werden auch nicht lange zögern und nach Waffen greifen. Es ist jedoch schwierig, der strukturellen Gewalt ein Ende zu setzen.

Ndukus Kindheitstraum war Universitätsdozent zu werden. Doch im Jahr 2017 brach in Kamerun ein Bürgerkrieg aus. Nduku wurde auf dem Weg zur Universität entführt und zwei Wochen lang von Rebellen gefoltert. Nach einer intensiven Therapie lernte er, sein Trauma zu überwinden und wurde Lehrer in Nordkamerun. Hier erlebte er Armut, Hunger, Wassermangel, religiöse Intoleranz und Terroranschläge von Boko Haram.

Hier wurde ihm der enge Zusammenhang zwischen Klimawandel und Bürgerkrieg bewusst. Er gründete Xhuma Africa, eine Friedensakademie, die afrikanische Jugendliche befähigt, ihre lokalen Gemeinschaften in friedliche und umweltfreundliche Umgebungen zu verwandeln

– Von Nduku Louis Tebi

Es war Montag, der 16. Juli 2018. Ich stand früh auf, um mich auf meine Prüfung vorzubereiten, und um sechs Uhr dreißig war ich auf dem Weg zur Universität von Bamenda, als ich plötzlich angehalten wurde und mehrere junge Männer Waffen auf mich richteten. Man verband mir die Augen, setzte mich auf ein Motorrad und brachte mich zu einem Camp mitten im Dschungel. Es waren Rebellen, die mich entführt hatten, weil ich während der Ausgangssperre zur Universität gehen wollte. Das war mein einziges Verbrechen.

Ich wurde als siebtes von zehn Kindern geboren. Als ich klein war, schenkte mir mein Vater, selbst Tierarzt, drei Haustiere: ein Kaninchen, einen Hund und ein Schwein. Das Füttern und Pflegen dieser Tiere gab mir ein Gefühl dafür, was es bedeutet, zu teilen, zu lieben und Verantwortung für das Wohlergehen anderer zu übernehmen.

Damals träumte ich davon, Dozent in einer Universität zu werden. Mein Ziel war es, Wissen zu vermitteln, Leben zu verändern und Lernende aus aller Welt zusammenzubringen.

Als ich 11 Jahre alt war, starb mein Vater. Sechs meiner Brüder brachen die Schule aus finanziellen Gründen ab, aber meine Leidenschaft für Bildung wurde immer stärker. Freunde der Familie unterstützten mich von der Schule bis zum College. Als ich an der Universität zugelassen wurde, hatte ich das Gefühl, dass mein Kindheitstraum bald in Erfüllung gehen würde.

Doch im Januar 2017 brach im anglophonen Kamerun ein Bürgerkrieg aus. Ein friedlicher Protest von Lehrern und Anwälten eskalierte zu einem bewaffneten Separatistenkonflikt mit Aktivisten, die für einen abtrünnigen Staat kämpfen, den sie “Ambazonia” nennen.

Regierungstruppen wurden in unsere Region entsandt, um für Recht und Ordnung zu sorgen. Der Gouverneur des Nordwestens unterzeichnete einen Erlass, der den Ausgang nach sieben Uhr abends verbot. Als Vergeltung nutzten die Separatistenführer soziale Medien wie Facebook und WhatsApp, um die Abriegelung mit Schulboykott für alle zu verhängen.

Daraufhin wurde das Internet von der Regierung 93 Tage lang abgeschaltet, um die Verbreitung von Fake News und den Aufruf zu Töten zu verhindern. Eltern wurden von den Rebellen aufgefordert, ihre Kinder zu Hause in Sicherheit zu behalten, während die Rebellen sich mit dem regulären Militär Gefechte lieferten. Trotz der offensichtlichen Gefahren, die ein Ungehorsam gegenüber den Separatisten mit sich bringt, luden die Fakultätsbeamten die Studierenden der Abschlussklassen ein, zu ihren Prüfungen zu kommen. Meine Angst, die Klasse wiederholen zu müssen, überzeugte mich davon, das Studium fortzusetzen, und so trotzte ich der Gefahr.

Was an jenem Montagmorgen geschah, hat mein Leben für immer verändert. Die Rebellen brachten mich und zwei andere Studenten in ein Lager weit draußen im Dschungel. Am Eingang zu diesem Lager sah ich Stöcke, die mit frisch abgeschlagenen menschlichen Köpfen verziert waren. In dem Lager lebte eine Frau, die die Rebellen respektvoll ihre “Queen mother” nannten, eine spirituelle Führerin, die Zaubertränke für die Rebellen herstellte. Sie kochte Essen für uns und entschied, wer von uns hingerichtet werden sollte.

Mein Telefon wurde beschlagnahmt, und meine Hände und Beine wurden von einem jungen Mann gefesselt. Ich wurde geschlagen und ständig bedroht, getötet zu werden, wenn französischsprachige Freunde mich zu erreichen versuchten.

Zwei Wochen später wurde ich, nach der Zahlung von Lösegeld durch meine Familie, freigelassen.

Während meines Aufenthalts im Lager hatte ich Pläne entwickelt, um mich eines Tages an meinen Entführern zu rächen. Und dann, einige Tage nach meiner Freilassung, hörte ich, dass das Militär eine Razzia in demselben Rebellenlager durchgeführt hatte und alle meine Entführer getötet worden waren. Zu meiner Überraschung befriedigte mich diese Nachricht überhaupt nicht. Obwohl ich nichts dafür getan hatte, keine Informationen über Koordinaten an die Polizei weitergegeben hatte, fühlte ich mich schuldig, allein wegen meiner Rachegedanken.

Da ich traumatisiert war, machte ich eine Therapie und besuchte ein Training für Friedensbildung. Im Jahr 2019 wurde ich Lehrer am Government Technical College in Figuil. Die Schule befindet sich in der Sahara-Wüste in der nördlichen Region Kameruns. Es mangelt an Nahrungsmitteln und wir hatten kaum Zugang zu Wasser. Es gibt kaum Bäume, und so erlebten wir extreme Temperaturen von 45 Grad, gefolgt von Gewitterstürmen und Überschwemmungen. Die Menschen leiden an Krankheiten wie Malaria, Unterernährung, Cholera und Typhus. Der schwierige Alltag wird zusätzlich von gewalttätigen Angriffen der Bokoharam überschattet.

Hier habe ich den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Krieg verstanden. Auf der einen Seite verursachen Hunger, Dürren und Überschwemmungen Armut und den Kampf um Ressourcen. Auf der anderen Seite nähren religiöse Intoleranz, politische Macht und ethnische Krisen die Kämpfe unseres Jahrhunderts.

Um der anhaltenden Gewalt ein Ende zu setzen, müssen wir, die Jugend Afrikas, ein tieferes Verständnis für das Problem entwickeln und unsere eigenen Methoden zur Konfliktlösung finden. Frieden kann nur nachhaltig sein, , wenn wir Zusammenhänge erkennen und uns bemühen, den Kampf für Frieden und den Schutz unserer Umwelt zu vereinen.

 

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